Herz und Schilddrüse

Die Schilddrüse (lat. Thyreoidea) wirkt auf das Herz über ihr jodhaltiges Hormon, das Thyroxin, das Rhythmusstörungen begünstigt.
Das Hormon dient dem Körper dazu, Stoffwechselprozesse wie Eiweißsynthese und Kohlenhydrat- und Fettstoffwechsel zu beschleunigen. Auch wird unter der Wirkung des Thyroxins die Leistungsfähigkeit des Körpers gesteigert. Der Jodgehalt des Thyoxins besteht in 4 Jodatomen pro Molekül (Tetrajod-Thyronin, T4), das am Zielort in der Zelle in ein Thyroxin mit nur 3 Jodatomen (Trijod-Thyronin T3) umgewandelt wird.
Es besteht eine direkte und enge Kopplung an die Hormonbildung der Hypophyse: Hier wird das thyreotrope Hormon (thyreoidea stimulating hormone: TSH) gebildet, das die Hormonausschüttung der Schilddrüse regelt und seinerseits bei einer Überproduktion des Hormons Thyroxin in der Schilddrüse gebremst wird.
TSH, T3 und T4 sind daher die wichtigsten Blutbestimmungsgrößen bei der Untersuchung der Schilddrüsenfunktion (s. Normwerte)

ÜBERFUNKTION

Bei einer Überfunktion (Hyperthyreose, Schilddrüsen-Autonomie), d.h. vermehrter Ausschüttung von Thyroxin, kommt es zu einer Steigerung der Erregbarkeit des vegetativen Nervensystems, d.h. erhöhte Herzfrequenz, weite Pupillen, leichtes Schwitzen, feuchte Haut und Anstieg der Körpertemperatur. Es kommt auch zu Bluthochdruck. Der direkte Einfluß auf das Herz oder die Bluthochdruckfolge können zum Auftreten von Vorhofflimmern führen, was bei jüngeren Patienten eine der häufigsten Ursachen ist. Auch wird das Entstehen der Osteoporose begünstigt.
Es kann die gesamte Schilddrüse betroffen sein (meist eine Autoimmunerkrankung) oder es handelt sich um „heiße“ Knoten, vor allem bei älteren Patienten, dann spricht man von Autonomie. Ursache ist meist Jodmangel.
T3 und T4 im Blut sind in frühen Stadien nicht erhöht, TSH ist erniedrigt (Subklinische Hyperthyreose). In einem späterem Stadium ist dann der T3/T4-Spiegel ebenfalls erhöht.

UNTERFUNKTION

Das Gegenteil ist bei einer Unterfunktion der Fall. Hier kommt es zu Pulsverlangsamung, Frieren, Obstipation. Bei Kindern in der Entwicklung kann sich eine geistige Störung, der Kretinismus, einstellen. Die TSH-Spiegel im Blut sind stark erhöht.

BEHANDLUNG

Die Überfunktion bei Autoimmunerkrankung wird mit sog. Thyreostatika behandelt (Carbamizol), die die Produkion des Hormons bremsen. Bei autonomen Adenomen kann die Radiojodtherapie oder die operative Adenomentfernung erwogen werden.
Eine Besonderheit ist die nachgewiesene Schilddrüsen-Autonomie bei geplanter Jod-Kontrastmittel-Verabreichung, etwa vor einer Herzkatheteruntersuchung. Hier wird in der Regel Natrium-Perchlorat (3×30 Tr. am Vortage) verabreicht, dem nach der Untersuchung die gleiche Dosis für weitere 3 Tage folgt; danach Ausschleichen.