Herzkatheter

Modernes Katheterlabor

Der Linksherzkatheter mit Angiografie ist eine Untersuchung des linken Herzens. Er ist das entscheidende Instrument („gold standard“) in der Diagnostik der KHK. Diese Methode, die bereits 1929 durch >> FORSSMANN (1904-1979) im Selbstversuch eingeführt wurde, und die bis Ende der 90er Jahre als Standard-Methode zur Absicherung einer klinischen Diagnose fast aller Herzkrankheiten verwendet wurde, beschränkt sich durch die rasante Entwicklung der Echokardiografie (Klappenerkrankungen und Herzfunktion) heute auf die Darstellung (Angiografie) der arteriellen Herzkranzgefäße durch Einbringung von Röntgen-Kontrastmittel, für die sie heute, im Zeitalter der Interventionen, fast ausschließlich verwendet wird. Die Untersuchung zählt zu den invasiven Methoden, die in einem Katheterlabor durchgeführt wird. Dabei kommt es zur Anwendung von Röntgenstrahlen sowie der Verabreichung von Röntgen-Kontrasmittel, damit die Blutgefäße sichtbar werden.

Man unterscheidet die diagnostische von der präinterventionellen Untersuchung. Diagnostisch heißt, dass trotz eingehender nicht-invasiver Untersuchungen (z.B.Echo) eine definitive Diagnose, ob z.B. eine Kramzgefäßverengung vorliegt, nicht gestellt werden konnte. Diese sollte heute selten angewendet werden (Card-CT als Ersatz) . Am häufigsten ist heute die präinterventionelle Untersuchung (d.h. vor einer möglichen Intervention), nach einem akuten Herzinfarkt oder bei Angina pectoris, bei der eine Ballon-Stent-Intervention als Ergebnis von nichtinvasiven Untersuchungen, wie etwa dem Belastungs-EKG, als hochwahrscheinlich angesehen wird. Auch nach einer Intervention kann eine Herzkatheteruntersuchung notwendig sein, wenn z.B. Komplikationen auftreten, oder zur späteren Kontrolle nach Monaten oder Jahren bei Wiederauftreten von Angina pectoris.

Eine wichtige Rolle spielt die Herzkatheteruntersuchung nach wie vor zur klaren Begründung (Indikation) auch einer Bypassoperation. Je nach dem Ausgang der Angiografie wird das Ergebnis mit dem Herzchirurgen bei einer Konferenz (Herz-Team)besprochen und das weitere Vorgehen festgelegt.

Die Untersuchung ist aufklärungspflichtig, d.h. der Arzt muss (bei geplanten Eingriffen) mindestens 24 h vorher ein Aufklärungsgespräch führen, das auch und besonders auf die Risiken und Gefahren für den Patienten eingeht. Ablauf, Risiken, Ergebnis, Modifikationen müssen eingehend besprochen werden. Es muss genügend Zeit zur Verfügung stehen, damit der Patient das Vorgetragene versteht und Fragen stellen kann. Die vorgeschriebene Zeit von 24 h vor einer Untersuchung muss allerdings bei einem Notfall (Herzinfarkt) nicht eingehalten werden.
Der Patient muss sein Einverständnis durch Unterschrift erklären. Dazu dient das Arztgespräch und ein Aufklärungsformular [46 KB]

Im Unterschied zum Linksherzkatheter ist der Rechtsherzkatheter (RHK) eine Untersuchung des rechten Herzens. Historisch war der RHK der erste Eingriff am Menschen durch FORSSMANN 1929.
Die Untersuchung kann Teil einer kompletten Katheteruntersuchung zusammen mit einem Linksherzkatheter sein, etwa früher bei der Untersuchung angeborener Herzfehler. Diese Untersuchungen sind heute durch die nicht-invasive Echokardiografie oft ersetzt.

Heute ist diese Untersuchung meist Teil der Diagnostik bei Herzrhythmussstörungen (Elektrophysiologische Untersuchung EPU) und dient auch der Durchführung der Rhythmustherapie, wie z.B. Ablation von schnellen Rhythmusstörungen (Herzrasen). Der Zugang ist immer eine Vene, in der Regel die V. femoralis (Leistenvene), oder – beim Pulmonaliskatheter, eine Armvene. Letzterer besteht in der Einbringung einer Meßsonde ind die Lungenarterie (A. pulmonalis) bei Intensivpatienten zur Messung der Herzleistung im >> cardiogenen Schock