Behandlungsalternativen

Es gibt immer Alternativen zu den Therapieangeboten der modernen „schulmedizinischen“ Kardiologie, die oft und meist notwendigerweise auf den apparativen Ansatz (Herzkatheter, Intervention, OP) zurückgreift („Gerätemedizin“). Doch vermittelt diese, nach Ansicht vieler Menschen, gefühllose, empathie-ferne Medizin dem Kranken auch Gefühle der Irritation, der Unsicherheit, ja der Angst. Er fühlt sich ausgeliefert, besonders, wenn die Geräte in der Lage sind, ihn von der Umwelt gänzlich abzuschirmen und zu lösen, wie etwa beim CT, das allgemein als „die Röhre“ verschrien ist. Klaustrophobe Patienten haben hier extreme Schwierigkeiten. Aus dieser Gefühlslage heraus ist es verständlich, wenn alternative Methoden, die vorgeben, gleiche Ergebnisse ohne diese psychische Belastung und gar ohne Eingriff erzielen zu können, Zulauf haben. Leider ist dies nur selten der Fall und die Alternative Medizin bewegt sich auf dem sehr unsicheren Gebiet der psychologischen Beeinflussung, die man auch als >> Placeboeffekt bezeichnet. Vorsicht ist also geboten.
Etwas anderes ist es mit ergänzenden Ansätzen der Heilkunde, die eine präventive (vorbeugende) Wirkung entfalten. Hier wären Sport und Ernährung als Bestandteile einer ganzheitlichen Behandlungsform zu nennen. Immer ist der Herzkranke auch ganzheitlich erkrankt, d.h. die Herzkrankheit betrifft nie das Organ allein, sondern immer auch den ganzen übrigen Körper (und die Seele). Dieser Erkenntnis trägt die „Psychokardiologie“ Rechnung, die sich inzwischen zu einem festen Bestandteil vieler Rehakliniken etabliert hat. Leider wird der Zusammenhang zwischen Körper und Seele nach der Reha-Phase, z.B. in der Hausarztpraxis, immer noch zu wenig berücksichtigt, wobei Ausnahmen die Regel bestätigen.
Allerdings werden in der Öffentlichkeit und nicht immer seriös auch Behandlungsformen diskutiert, die nicht naturwissenschaftlich gesichert sind und daher nicht zu den Behandlungsprinzipien der sog. evidenzbasierten Medizin gehören. Sie stammen in der Regel aus dem Gebiet der Naturheilkunde, der Homöopathie und auch der traditionellen chinesischen Medizin (TCM). Alle diese sind meist nicht wissenschaftlich begründet und werden unter dem Begriff Alternative Medizin zusammengefaßt.

Alternative Medizin ist als Schlagwort in aller Munde und bezeichnet alle diejenigen medizinischen Verfahren, die die herkömmlichen Methoden der „Schulmedizin“ ablehnen. A. ist nicht immer seriös und bietet Raum für ernsthafte Ansätze wie für Betrügereien und Scharlatanerie, wie etwa die >> Chelattherapie. Aber sie vertritt auch seriöse Verfahren, die im Folgenden besprochen werden sollen.

Ernährung (s.a. Deutsche Gesellschaft f. Ernährung) ist heute in Zeiten von Fastfood, Kantinenkost ein kontrovers diskutiertes Stichwort. Obwohl überall die „falsche“ Ernährung kritisiert wird, ist eine allgemeine, alle Schichten betreffende Umstellung auf „gesunde“ Kost bisher nicht gelungen. Stattdessen werden Ersatz-Substanzen beworben und gekauft:

Eine Rolle in der Grauzone der Seriosität spielen die sog. Nahrungsergänzungsstoffe:
Das ist ein sehr umstrittenes und (markt-)umkämpftes Gebiet, das zumeist im Hinblick auf die Herzkreislaufkrankheiten als unseriös bezeichnet werden kann. Zu diesen Mitteln gehören Mineralstoffe, Vitamine und auch die Antioxidantien.
Diese gehen von der Annahme aus, dass Sauerstoff im Gewebe nicht nur in der an Blutfarbstoff oder andere Sauerstoffträger gebundenen Form O2 vorliegt, sondern auch in der toxischen Form des Ozons (O3) oder des Wasserstoffperoxids. Diese gehören zu den sog. Sauerstoff- oder freien >> Radikalen, die Zellen durch Oxidationsprozesse zerstören können. Das ist zwar experimentell gesichert. Um das zu verhindern, werden sog. Antioxidantien eingesetzt, deren Wirkung aber jedoch auch nach neuen Studien nicht bewiesen werden kann und die daher nicht zum Bestandteil der „>> evidence based medicine“ gehören. Auch die Gabe von anderen Ergänzungsmitteln ist nur im Falle echter Mangelkrankheiten (Vitamin C: Skorbut) sinnvoll.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hält Nahrungsergänzungsmittel für gesunde Personen, die sich normal ernähren, für überflüssig. Bei dieser Ernährung bekomme der Körper alle Nährstoffe, die er brauche. Eine zusätzliche Zufuhr einzelner Nährstoffe sei deshalb nicht notwendig. Eine einseitige, unausgewogene Ernährungsweise könne nicht durch den Einsatz von Nahrungsergänzungsmitteln ausgeglichen werden. Nur in bestimmten Situationen, die in Deutschland aber selten seien, könne eine gezielte Ergänzung der Nahrung mit einzelnen Nährstoffen sinnvoll sein. (zit. nach Wikipedia: Nahrungsergänzungsmittel)

s.a. Abschnitt Prävention/Ernährung

Seele, Herz und Kreislauf sind auf einander bezogene Einheiten. Sie beeinflussen sich gegenseitig und stellen Kreisbeziehungen dar: Erkrankt die Seele,hat das Rückwirkungen auf das Herz. Daher ist diese Beziehung ein gutes Beispiel für den Begriff der „psychosomatischen Erkrankung“, d.h. einer körperlichen Erkrankung, die durch ein seelisches Problem ausgelöst wurde.

Depressionen gelten heute als krankmachender Risikofaktor für Herzkreislaufkrankheiten.
Umgekehrt sind Herzinfarktpatienten in der Heilungsphase depressionsgefährdet; es entsteht so ein bösariger Kreislauf. Dem tragen neue Entwicklungen Rechnung, die unter dem Begriff der Psychokardiologie zusammengefaßt werden. Man versteht darunter eine Spezialisierung, die zusammen mit „somatischen“ Kardiologen versucht, diesen Kreislauf zu unterbrechen. Eine Gruppe mit einem solchen Schwerpunkt arbeitet z.B. in der Kerckhoffklinik in Bad Nauheim. Neuerdings wurde der Zusammenhang zwischen Psychotherapie und Bluthochdruck untersucht. Die American Heart Association empfiehlt bei Bluthochdruck z.B. die Methode der >> transzendentalen Meditation (s.a. Abschnitt Hochdruck).

Sport ist, bei chronisch Herzkranken richtig angewendet, als eine weitere Schiene der Gesundung anzusehen. Insbesondere bei Hochdruckkranken kann der Ausdauersport (wie auch richtige Ernährung) zu einer Normalisierung auch ohne Medikamente beitragen. Sportliche Aktivität ist keine eigentliche altenative Therapie, sondern ein hochwirksames Prinzip, das unter- und überdosiert werden und unerwünschte Nebenwirkungen haben kann (Verletzungen). s. Abschnitt Sport.

>> Naturheilkunde, Homöopathie, TCM