Funktionelle Herzbeschwerden

s.a. Abschnitt komplementäre Heilverfahren


Gerade bei jüngeren Menschen, die unter psychischem Stress stehen, unter einer Depression leiden, aber auch solche, die ihren Bewegungsapparat stark beanspruchen, kommt es oft zu Mißempfindungen in der linken Brusthälfte, die sie mit der Frage zum Arzt führen, ob eine organische Erkrankung vorliegt. In diesen Fällen, die meist ohne Befund verbleiben, muss eine organische Ursache immer ausgeschlossen werden.

 

Wenn – manchmal recht heftige – linksseitige Brustschmerzen ohne nachweisbaren Befund auftreten, spricht man von funktionellen H. Diese sind meist nicht durch eine Herzkrankheit, sondern durch Veränderungen am komplizierten Knochen-Knorpel-Muskelsystem des Brustkorbes ausgelöst oder haben mit degenerativen (Verschleiß-) Erscheinungen an der unteren Hals- oder oberen Brustwirbelsäule zu tun. Man nennt dies das „Schulter-Arm-Syndrom“ oder „HWS-Syndrom“ (HWS= Haslwirbelsäule). Ihre Symptome sind oft punktförmig und immer belastungsunabhängig.
Manchmal treten solche Brustschmerzen, verbunden mit Herzklopfen, Herzrasen, Schwindel und/oder Leistungsabfall, bei jungen und sportlich aktiven Menschen auf, lösen Angstzustände aus und beeinträchtigen die Aktivitäten zum Teil beträchtlich. Auch hier fehlt ein objektiver Befund. Man nennt diese Zustände z.B. das „Effort-Syndrom“, „Soldier’s Heart“ oder „Da Costa-Syndrom“. Ein anderer Name ist auch „hyperkinetisches Herzsyndrom„. Es handelt sich um eine sog. psychosomatische Erkrankung („Herzneurose“, Herzphobie), die kardiologisch (Ausschluss einer ernsthaften Herzerkrankung) und gleichzeitig psychotherapeutisch betreut werden sollte (Psychokardiologie). Oft verbirgt sich hinter den Beschwerden auch eine schwere Depression, wobei die Übergänge zu einer organischen Erkrankung hier fließend sind. Oft gelten Depressionen sogar als Risikofaktor. Wir empfehlen regelmäßige körperliche Aktivität mit Ausdauersport (ärztliche Untersuchung und Beratung vorausgesetzt) und Vermeidung bezw. Verminderung von >> Stress. Auch können Entspannungsübungen, die heute Bestandteil jeder Herzgruppenarbeit sind, nützlich sein.
Nicht geraten werden kann dagegen zu manchen Therapie-Angeboten der Heilpraktiker, die oft zu unwirksamen (abgesehen vom >> Placebo-Effekt) und auch problematischen Mitteln der Homöopathie und Naturheilkunde greifen. Die meisten dieser Mittel sind weder wissenschaftlich erprobt noch sicher und zählen daher zu den unseriösen Angeboten. Nebenwirkungen und Reaktionen mit anderen Medikamenten und damit schädliche Effekte sind zu bedenken.
Neue Erkenntnisse betreffen die >> Chelat-Therapie und die Behandlung mit dem Enzympräparat Q10. Bei beiden wurden neuerdings günstige Effekte auf die KHK und den Bluthochdruck nachgewiesen, doch sollten diese Ergebnisse vor einer abschließenden Bewertung durch weitere Studien bestätigt werden.

Zu den unter Umständen empfehlenswerten Maßnahmen der Physiotherapie gehören neben Sport Massagen, Bäder, Entspannungs- oder gymnastische Übungen, die sowohl den Knochen-Muskel-Apparat in seiner Funktion normalisieren als auch die Angstzustände bessern können.

Eine Besonderheit, bei der Herzschmerzen und Pulsunregelmäßigkeiten auftreten, ohne dass ein sonstiger pathologischer Befund erhoben werden kann, stellt das sog. Mitralprolaps-Syndrom dar (funktionelle Beschwerden). Dabei sind Abnormitäten in der Beweglichkeit des ansonsten normalen Mitralsegels vorhanden, die man als Prolaps bezeichnet. Diese wölbt sich in der Systole, also bei geschlossener Klappe, in den linken Vorhof zurück, wobei die Schließfähigkeit meistens nur leicht beeinträchtigt ist. Sie besitzt nur dann einen Krankheitswert, wenn diese begleitende Schließunfähigkeit (Mitralinsuffizienz) so schwerwiegend ist, dass Symptome einer Herzmuskelschwäche auftreten. Dies ist selten. Ein Zusammenhang mit Herzrhythmusstörungen (Herzrasen) ist bisher nicht bewiesen.

Bei sehr ausgeprägtem Schreck mit Todesangst oder einer existentiellen Ausnahmesituation (z.B. extremer Trauerfall) können sich die Herzkranzgefäße auch ohne krankhaften Befund (Verengung) stark verengen; es kommt zu einem Gefäßkrampf. Dabei kann die Durchblutung örtlich so lange unterbrochen sein,dass es zu einem dem Herzinfarkt ähnlichen Schaden kommt. Plötzliche Todesfälle sind beschrieben. In der Angiografie sieht man ein stark deformiertes Herz.Wird der „Anfall“ überlebt, bestehen gute Heilungschancen, da die Durchblutung ja komplett wiederhergestellt wird. Nach einer japanischen, kugelförmig aussehenden  Fischfalle, deren Form der Angiografie eines solchen Herzens ähnelt, heißt die Krankheit „Takotsubo“-Krankheit.

Eine psychische Erkrankung wie die Depression ist inzwischen als unabhängiger Risikofaktor beschrieben und anerkannt. Aber auch nach einer durchgemachten Erkrankung, etwa dem Herzinfarkt, sind depressive Reaktionen überaus häufig.