Sport (Bewegungstherapie)

Sport (oder Bewegungstherapie) ist, bei chronisch Herzkranken richtig angewendet, als eine weitere Schiene dauerhafter Gesundung anzusehen. Sport ist dosisabhängig und hat erwünschte (positive) und auch unerwünschte Nebenwirkungen wie Überlastung, Verschlimmerung des Grundleidens, Verletzungen. Sport bei Herzkranken ist also ärztlich zu verordnende Therapie und einer medikamentösen Behandlung gleichzusetzen.

Mitte der 70er Jahre wurde deutlich, dass das Prinzip der langen Bettruhe nach Herzinfarkt (bis zu 6 Wochen!) falsch ist. An seine Stelle trat, neben der intensivmedizinischen Behandlung und später die der Katheterintevention (Stent) die Mobilisation bereits im Krankenhaus (Frühmobilisation) und die Rehabilitation nach Entlassung in besonderen Kliniken. Ziel dieses ganzheitlichen Konzeptes war und ist die Wiederherstellung eines weitgehenden Normalzustandes im Sinne einer Teilgesundheit mit möglichst normaler Lebenserwartung (Resozialisierung). Wegen des damals oft jüngeren Alters der Patienten war auch die Wiederherstellung von Berufsfähigkeit, mindestens aber Erwerbsfähigkeit das Reha-Ziel. Am Wohnort wurden sog. Herzsportgruppen gegründet, die unter der Aufsicht eines präsenzpflichtigen Arztes und eines ausgebildeten Übungsleiters Ausdauersport und medizinische Beratung anboten. Inzwischen ist die Zielsetzung wegen des demografischen Wandels aber mehr zu einer Anleitung fürLebensstil-Änderungen geworden. Dabei spielen diese Herzsportgruppen (jetzt: Herzgruppen) eine Schlüsselrolle als Anleitungsstruktur für allgemeine Verhaltensweisen (Üben lernen, um zuhause zu üben)

Die Deutsche Gesellschaft für Prävention und Rehablitation (DGPR) führt dazu aus:

Herzgruppen betreuen chronisch Herzkranke im Sinne einer lebenslangen Rehabilitation am Heimatort. Bezeichnet werden sie als ärztlich betreute und begleitete Selbsthilfegruppen, in denen die „Mündigkeit“ des einzelnen Patienten geweckt und gestärkt werden soll, damit er als „Fachmann seiner Krankheit“ kompetent Selbstverantwortung übernehmen kann.
Dazu erlernt er in den Herzgruppen die Einschätzung seiner eigenen körperlichen Belastbarkeit, die Beherrschung seiner persönlichen Risikofaktoren (Sekundärprävention) und die Bewältigung seiner persönlichen Behinderung durch die chronische Krankheit.
Ein- bis zweimal pro Woche werden bundesweit in rund 6.000 Herzgruppen über 100.000 Patienten, z. T. mit ihren Lebenspartnern, so betreut und angeleitet von entsprechend qualifizierten Übungsleitern und mehr als 7.000 Ärzten, die diese Aufgabe in ihrer großen Mehrzahl ehrenamtlich ausüben.

Regelmäßige sportliche Aktivität (etwa 30 min 3x pro Woche) hat aber u.a. günstige Auswirkungen auf Risikofaktoren, Lebensstil, Lebensqualität. Trainierte können z.B. erhöhten Blutdruck systolisch und diastolisch um bis zu 15% dauerhaft senken. Das Training umfaßt dabei Ausdauersportarten wie Laufen. Schwimmen, Radfahren. Voraussetzung ist eine medizinische Grunduntersuchung und ein Belastungstest, bei dem die sog. Trainings-Herzfrequenz ermittelt wird. Neuere Untersuchungen von Sportmedizinern haben ergeben, dass bei herzgesunden Älteren auch dosiertes Krafttraining (Muskelaufbau-Training) günstig wirkt, indem es dem altersbedingten Muskelschwund entgegenwirkt. Ob das auch für Herzpatienten gilt, muss noch abgewartet werden, selbst wenn die modifizierte und angepaßte Form eines Muskeltrainings beim alten Menschen mit Muskelschwund nützlich sein könnte. Kontraindiziert ist isolierte Kraftausübung jedenfalls bei Patienten mit nicht stabilisierter Herzmuskelschwäche, während bei dieser Personengruppe die dosierte Bewegungstherapie neuen Erkenntnissen zufolge einen präventiv günstigen Effekt hat.

Sog. emotional betonte Sportarten, wie z.B. Wettkämpfe (Fussball, Tennis) sollten auch vermieden werden. Sportarten, die wenig oder gar nicht durch Muskelkraft, Schnelligkeit oder Ausdauer bestimmt sind, besitzen oft höhere Anteile an emotionalen Effekten (Stress) und sind daher möglicherweise sogar schädlich. Man nennt sie nicht-organische Sportarten, wie Golf, Segeln, Fallschirmspringen, Schießen etc. Sie bringen keinen zusätzlichen Nutzen für das Herzkreislaufsystem.

Wie nützt Sport dem Herzen Sportarten in der Herzgruppe Technik eines Pedelecs